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Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Betroffene leiden an einer defekten Hautbarriere und einem sich stets neu entfachenden Entzündungsprozess im Körper. Heute weiß man, wie dieser Entzündungsprozess entsteht. Bestimmte Botenstoffe – sogenannte Interleukine – spielen eine zentrale Rolle. Diese Interleukine sind jeweils für spezifische Symptome verantwortlich, etwa für starken Juckreiz oder ausgeprägte Entzündung. Bei der Behandlung haben moderne Systemtherapien für Menschen mit Neurodermitis vieles verändert, denn sie setzen direkt im Entzündungsprozess, im Inneren des Körpers an. Statt ständigem Juckreiz, schlaflosen Nächten und dem Gefühl, sich immer nur „durchkämpfen zu müssen“, geht es um Kontrolle, Ruhe und Lebensqualität. Bei den Systemtherapien gibt es insbesondere zwei Wirkstoffklassen, die eine zentrale Rolle spielen: Biologika und JAK‑Inhibitoren. Beide können bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis helfen.1

Wo moderne Systemtherapien ansetzen

Bei Neurodermitis ist das Immunsystem fehlreguliert. Bestimmte Botenstoffe treiben Entzündungsprozesse, Juckreiz und Hautveränderungen an. Moderne Systemtherapien greifen gezielt in diese Prozesse ein – allerdings auf eine unterschiedliche Art.

JAK Inhibitoren dämpfen mehrere Signalwege gleichzeitig

JAK Inhibitoren sind kleine Moleküle, die die Wirkung sogenannter Januskinasen (JAK) hemmen.2 Diese Enzyme sind an der Weiterleitung von vielen verschiedenen Entzündungssignalen innerhalb der Zelle beteiligt.Durch die Hemmung der Januskinasen wird die Signal Weiterleitung mehrerer Botenstoffe gleichzeitig verhindert.2 Das kann helfen, die Entzündung insgesamt zu minimieren und so die Symptome der Neurodermitis zu lindern.

Im Unterschied zu Biologika hemmen JAK Inhibitoren die Weiterleitung der Signale verschiedener Botenstoffe gleichzeitig.JAK Inhibitoren können sehr schnell wirken.4 Sie werden täglich als Tablette eingenommen und ebenfalls bei verschiedenen anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen eingesetzt.

Kurz gesagt: JAK Inhibitoren wirken breiter im Entzündungsgeschehen und greifen an einer zentralen Schaltstelle der Immunreaktion an.

Biologika blockieren gezielt einzelne Botenstoffe

Biologika verhindern, dass bestimmte Botenstoffe an Immunzellen andocken. Dadurch wird die Signalweiterleitung einzelner, gezielt ausgewählter Botenstoffe unterbrochen. In der Folge kann die Entzündung vermindert werden – und damit auch typische Neurodermitis-Beschwerden.5

Biologika werden mittels Spritze verabreicht, meist in regelmäßigen Abständen. Sie kommen nicht nur bei Neurodermitis, sondern auch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz.

Kurz gesagt: Biologika wirken sehr gezielt nur an bestimmten einzelnen Entzündungsmechanismen an.

Zwei Wege, ein Ziel

JAK‑Inhibitoren und Biologika verfolgen unterschiedliche Ansätze, haben aber dasselbe Ziel:
Entzündung reduzieren, Symptome lindern und die Neurodermitis kontrollierbar machen. Entscheidend sind unter anderem der Schweregrad der Erkrankung, bisherige Therapien, persönliche Vorlieben und der individuelle Leidensdruck. Auch die Frage „Spritze oder Tablette?“ spielt für viele Betroffene eine wichtige Rolle.

Die richtige Therapie ist individuell

Die Wahl zwischen JAK-Inhibitoren oder Biologika entsteht im gemeinsamen Gespräch mit der Dermatologin oder dem Dermatologen – und sollte nicht nur die Haut, sondern auch Schlaf, Alltag, Psyche und Lebensqualität berücksichtigen. Moderne Systemtherapien haben neue Möglichkeiten eröffnet. Wer versteht, wie JAK‑Inhibitoren und Biologika wirken, kann gezielter nachfragen und die Therapieentscheidung aktiver mitgestalten.

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Referenzen:

  1. S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (AWMF-Registernr. 013-027). Version 4.5 (Teilaktualisierung 2025). Stand: 25.02.2026. Available at: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027. Letzter Aufruf: 29.05.2026.
  2. Bechman K, Yates M, Galloway JB. The new entries in the therapeutic armamentarium: The small molecule JAK inhibitors. Pharmacol Res 2019;147:104392.
  3. Caiazzo G, Caiazzo A, Napolitano M, et al. The Use of JAK/STAT Inhibitors in Chronic Inflammatory Disorders. J Clin Med 2023;12(8):2865.
  4. Guttman-Yassky E, Thaçi D, Pangan AL, et al. Upadacitinib in adults with moderate to severe atopic dermatitis: 16-week results from a randomized, placebo-controlled trial. J Allergy Clin Immunol 2020;145(3):877–84.
  5. Lee SJ, Chinen J, Kavanaugh A. Immunomodulator therapy: Monoclonal antibodies, fusion proteins, cytokines, and immunoglobulins. J Allergy Clin Immunol 2010;125(2):S314–23.

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