Wie sich die Erkrankung im Laufe des Lebens verändert

Wie sich die Erkrankung im Laufe des Lebens verändert

Neurodermitis, eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen, bleibt in ihrem Verlauf oft wenig vorhersehbar. Diese Vielfalt wird besonders deutlich, wenn man die Erkrankung in ihren verschiedenen Lebensphasen betrachtet. Die auch als atopische Dermatitis bezeichnete Erkrankung äußert sich nicht nur in unterschiedlichen Symptomen, sondern zeigt auch verschiedene Gesichter in der frühen Kindheit, im Jugend- und Erwachsenenalter. In diesem Beitrag erklären wir, was ihr über die unterschiedlichen Lebensphasen wissen solltet und was das für die Behandlung der chronischen Erkrankung bedeutet. 

Neurodermitis in der Kindheit

Neurodermitis in der Kindheit

Die Anfänge der Neurodermitis sind oft in der Kindheit zu finden. Bis zu 20 % der Kinder weltweit leiden unter dieser chronischen Hauterkrankung.1 Eine der Hauptursachen liegt in genetischen Faktoren: Das höchste Erkrankungsrisiko haben mit 60 bis 80 % Kinder, deren Eltern beide unter Neurodermitis leiden.2 Bei Babys mit Neurodermitis treten typischerweise Ekzeme mit starkem Juckreiz, Hautrötungen und entzündete Haustellen auf. Kennzeichnend im Säuglingsalter sind juckende Ekzeme vor allem in den Beugen von Beinen und Armen. Aber auch im Gesicht, am Hals und an den Händen können Entzündungen auftreten. Nicht selten sind die betroffenen Babys unruhig, kratzen sich blutig und weinen vermehrt. Die Hautpflege von Neurodermitis-Babys ist eine besondere Herausforderung, weil ihre Haut dünner ist als die von Erwachsenen und auch noch nicht über die gleichen Abwehrmechanismen verfügt.3

Oft verbessert sich der Hautzustand beim Heranwachsen und mit Eintritt in die Pubertät. Da es sich jedoch um eine chronisch-entzündliche Erkrankung handelt, die nicht heilbar ist, kann das Entzündungsgeschehen ein Leben lang jederzeit wieder aufflackern. Viele Menschen, die als Kind Neurodermitis hatten, entwickeln zum späteren Zeitpunkt Symptome, etwa ausgelöst durch Stress, hormonelle Veränderungen während einer Schwangerschaft oder durch Umweltfaktoren.

Neurodermitis im Jugendalter

Neurodermitis im Jugendalter

Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter bringt oft andere Ausprägungen der Neurodermitis mit sich. Durch die hormonellen Veränderungen in der Pubertät kann sich die Entzündungsaktivität beruhigen. Neurodermitis-Schübe klingen ab und werden mit zunehmendem Alter schwächer.4 Was bleibt, ist jedoch eine extrem trockene Haut, die Neigung zu Ekzemen und einer Überreaktion des Immunsystems. Wichtig ist auch in dieser Lebensphase eine intensive und konsequente Basispflege, um die Hautbarriere im Gleichgewicht zu halten.5

In manchen Fällen klingt die Entzündungsaktivität jedoch nicht ab und die Haut von Jugendlichen zeigt die in allen Lebensphasen typischen Symptome mit teilweise entzündeten blutenden Hautstellen und starkem Juckreiz. In dieser Selbstfindungsphase ist besonders für die Psyche belastend, wenn Jugendliche nicht nur mit der Pubertät, sondern auch mit den Begleiterscheinungen ihrer Neurodermitis zu kämpfen haben. Gefühle von Stigmatisierung und Ausgrenzung sind in diesem Lebensabschnitt besonders schwerwiegend.

Ein guter Tipp ist, dass sich die betroffenen Jugendlichen nicht mehr an ihre Kinderarztpraxis wenden, sondern sich Rat und Hilfe von Fachärztinnen und Fachärzten holen. Inzwischen stehen innovative Therapieoptionen auch Jugendlichen zur Verfügung. Sie werden innerlich, also systemisch, angewandt und sollen das überaktive Immunsystem beruhigen.

Neurodermitis im Erwachsenenalter

Neurodermitis im Erwachsenenalter

Erwachsene sind seltener betroffen als Kinder. Sie haben jedoch in der Regel schwerere Symptome als im Säuglings- oder Kleinkindalter. Häufig ist ein Wiederaufflackern der Entzündungsaktivität auf äußere Faktoren, sogenannte Trigger, zurückzuführen.6 Das können saisonal bedingte Temperaturschwankungen, Allergene wie Pollen aus der Luft, aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder beruflicher oder privater Stress sein. Bei weiblichen Erwachsenen können aber auch hormonelle Veränderungen wie eine Schwangerschaft eine Entzündungsreaktion auslösen. Die atopische Haut kann mit einem akuten Schub reagieren und wieder schwere Symptome zeigen.

Falls auch du in deiner Kindheit betroffen warst und die Erkrankung erst jetzt wieder aufflammt, dann solltest du nicht verzweifeln: Die Behandlung von Neurodermitis hat im Vergleich zu früher große Fortschritte gemacht. Es gibt innovative Therapieoptionen, die dir helfen können, die Erkrankung zu kontrollieren und deine Lebensqualität zurückzuerlangen.

Es kann helfen, mit einem Symptom-Tagebuch zu beobachten, unter welchen Einflüssen Hautveränderungen auftreten. So kannst du lernen, welche Faktoren bei dir Symptome auslösen und Lösungen finden, damit es gar nicht erst zu einem akuten Schub kommt. Stress, Ernährung und Lebensstil spielen eine wichtige Rolle in der Bewältigung.7

Konkrete Lösungsansätze

Konkrete Lösungsansätze

Neurodermitis ist keine statische Erkrankung. Wie wir gezeigt haben, kann das atopische Ekzem je nach Lebensphase mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Die Geschichten von Menschen mit Neurodermitis sind so vielfältig wie die Erkrankung selbst. Es gibt zwar keine Heilung für Neurodermitis, aber vielversprechende neue Therapieansätze, die systemisch wirken. Es lohnt sich, sich schon beim Auftreten der ersten Symptome an seine Ärztin oder seinen Arzt zu wenden, um gemeinsam neue individuelle Therapiestrategien zu besprechen und auszuprobieren.

Mache dir mit deinem Neurodermitis-Alltags-Check Gedanken, in welchen Lebensbereichen du dich eingeschränkt fühlst. Mit dem Ergebnis kannst du den Schweregrad deiner Erkrankung besser beschreiben und dich von Ärztinnen und Ärzten beraten lassen, welche Therapie für dich infrage kommt.

Referenzen:

  1. Österreichische Ärztezeitung. Dossier: Neurodermitis bei Kindern. Online verfügbar unter: https://aerztezeitung.at/2019/oaz-artikel/medizin/dossier-neurodermitis-kinder-vererbung-allergie/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  2. AOK. Ursachen und Behandlung bei Neurodermitis. Online verfügbar unter: https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/haut-und-allergie/neurodermitis-symptome-und-behandlung/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  3. Siriderma. Neurodermitis bei Neugeborenen. Online verfügbar unter: https://siriderma.com/de/ratgeber/interview-hebamme-neurodermitis-neugeborene (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  4. Hautinfo.at. Neurodermitis im Jugendalter. Online verfügbar unter: https://www.hautinfo.at/behandlung-und-therapie-neurodermitis-in-jungen-jahren (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  5. CME-Kurs. Aktuelles Management der Atopischen Dermatitis. Online verfügbar unter:  https://www.cme-kurs.de/kurse/aktuelles-management-der-atopischen-dermatitis/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  6. Mein Allergie-Portal. Neurodermitis: Typischer, chronischer Krankheitsverlauf – Triggerfaktoren. Online verfügbar unter: https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/1012-neurodermitis-typischer-chronischer-krankheitsverlauf-und-triggerfaktoren.html (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  7. AbbVie Care. Leben mit Neurodermitis. Online verfügbar unter: https://www.abbvie-care.de/erkrankung/neurodermitis/leben-mit-neurodermitis/#stressbewaeltigung (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)

Referenzen:

  1. Österreichische Ärztezeitung. Dossier: Neurodermitis bei Kindern. Online verfügbar unter: https://aerztezeitung.at/2019/oaz-artikel/medizin/dossier-neurodermitis-kinder-vererbung-allergie/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  2. AOK. Ursachen und Behandlung bei Neurodermitis. Online verfügbar unter: https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/haut-und-allergie/neurodermitis-symptome-und-behandlung/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  3. Siriderma. Neurodermitis bei Neugeborenen. Online verfügbar unter: https://siriderma.com/de/ratgeber/interview-hebamme-neurodermitis-neugeborene (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  4. Hautinfo.at. Neurodermitis im Jugendalter. Online verfügbar unter: https://www.hautinfo.at/behandlung-und-therapie-neurodermitis-in-jungen-jahren (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  5. CME-Kurs. Aktuelles Management der Atopischen Dermatitis. Online verfügbar unter:  https://www.cme-kurs.de/kurse/aktuelles-management-der-atopischen-dermatitis/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  6. Mein Allergie-Portal. Neurodermitis: Typischer, chronischer Krankheitsverlauf – Triggerfaktoren. Online verfügbar unter: https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/1012-neurodermitis-typischer-chronischer-krankheitsverlauf-und-triggerfaktoren.html (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)
  7. AbbVie Care. Leben mit Neurodermitis. Online verfügbar unter: https://www.abbvie-care.de/erkrankung/neurodermitis/leben-mit-neurodermitis/#stressbewaeltigung (zuletzt abgerufen am 29.11.2023)

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